Der gläserne Manager – die Dosis macht das Gift, wusste schon Paracelsus.

Andreas U.

So mancher Vorstand wünscht sich Röntgenstrahlen, wenn der potenzielle Kandidat nicht wie gewohnt brilliert. Und auch die Personaldirektoren scheuen zunehmend Risiken und fordern Transparenz und bereitwillige Auskunft der zukünftigen Manager. Immer mehr Unternehmen greifen zu ungewohnten Mitteln, um einen Einblick in die Seele eines Kandidaten zu erhalten. So muss sich heute die angehende Führungskraft vor Amtsantritt auf eine Vielzahl von Prüfungen einstellen und bereits in ersten Instanzen unterschiedliche Auditoren überzeugen. Abseits des Spielfeldes finden jedoch weitere Checks statt, die der Kandidat über sich ergehen lassen muss. Im Vordergrund steht heute nicht mehr die makellose Vita, sondern die komplexe und vielschichtige Persönlichkeit des zu gewinnenden Bewerbers. Mit Akribie beleuchten zunehmend die Entscheider das Privatleben und stecken den interessanten Kandidaten in einen Glaskasten. Neben den klassischen Assessments und dem Führungs- und Gesundheitszeugnis setzen sich immer mehr Persönlichkeitstest, Social Media Plattformen und Netzwerkprüfungen durch. Versierte Manager von heute üben darüber hinaus Schönschrift, damit der handgeschriebene Lebenslauf vom Graphologen zweifelsfrei positiv beurteilt werden kann.

Heute gehen viele Konzerne und Mittelständler einen langen Weg und sind bereit die Substanz, Referenzen und Nachhaltigkeit eines Kandidaten intensiv zu prüfen. Wer bisher kultivierte Kreise mied und weder Tennis noch Golf spielte sollte diese Aktivitäten genauso wenig anführen wie sein oberflächliches Interesse für Kunst. Ebenso führen bedenkliche politische „Likes“ in der Öffentlichkeit sowie zweifelhafte Urlaubs- und Partybilder zu einem Fleck auf der bisher weißen Weste. Nicht zuletzt ist auch der Umfang aller außerberuflichen Aktivitäten ein Punkt, der erforscht wird – der Manager, der sich wenig in seiner Freizeit engagiert, ist ebenso fragwürdig wie die Führungskraft, die keine Chance sich zu profilieren auslässt.

Die Dosis macht das Gift.

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