Gleicher Typ Manager – und doch ist alles anders!

Andreas U.

Aktuell habe ich erlebt, dass ein Mandant einen eigenen Kandidaten ins Spiel brachte. Daran ist überhaupt nichts auszusetzen. Der ehemalige Bereichsleiter hatte bereits viele Jahre eine tolle Arbeit geleistet, das Team, den Fachbereich und einen florierenden Geschäftsbereich aufgebaut. Da liegt der Gedanke nah, ihn für das Top-Management in Betracht zu ziehen. Der „erprobte“ Mitarbeiter wurde also als Geheimtipp gehandelt.

Nach einer umfassenden und vergleichen Ürüfung kamen wir nicht umhin, unseren langjährigen Mandanten auf ein Rest-Risiko aufmerksam zu machen. Es kann alles gut werden, es besteht aber ebenso die Möglichkeit, dass die sich veränderten Rahmenbedingungen die Erfolgskurve abflachen lassen und Weichen neu gestellt werden müssen. Kritische Faktoren könnten das neue = alte Team sein, das sich ebenfalls entwickelt hat, die Führungsriege und Persönlichkeiten, veränderte Märkte und Strukturen, Machtdemonstration aller Beteiligten (auch des zukünftigen Stelleninhabers), vorhandene Zöpfe und Seilschaften oder externe Partner – auch Kunden haben eine Meinung dazu.

Wichtig war, die anderen in Frage kommenden Kandidaten ebenso zu würdigen, zu vergleichen und sich eine größtmögliche Objektivität zu bewahren. Mit jedem neuen „Anführer“ kann die positive Wende kommen, aber gleichermaßen auch die Niederlage.

Beste Beispiele gibt es nicht nur in der Wirtschaft sondern auch im Sport. Eins davon – die Fußball WM in Russland – die zu einem Desaster für das deutsche Team wurde. Auch beim DFB hat man auf das Altbewährte gesetzt und sich neuen Lösungen halbherzig genähert. Das Team ist hochgelobt angereist und musste sich eingestehen, dass man schlichtweg die Situation in der Mannschaft, den Hunger der anderen Teilnehmer und den Lärm um die Protagonisten entweder gebilligt oder unterschätzt hatte.

Genauso ging es vielen Konzernen, deren Anführern und ihren Protegés, die die Ämter ihrer Mentoren mit Verheißung übernahmen und dann allerdings die Strategie wechselten, die Unternehmen an die Wand fuhren oder selbst die Situation unterschätzten. Ähnliche Erfahrungen führen leider seltenst zu ähnlichen Entscheidungen. Die Konstellation hatte sich einfach verändert und zwischenzeitlich erfolgte Ereignisse führten zu einem anderen Verlauf der Geschichte.

Erst diesen Monat ist dazu ein Artikel in der WiWo erschienen, in dem Thomas Hutzschenreuter, Wirtschaftswissenschafter und Professor der TU München entsprechende Vergleiche zieht und in dem Artikel  „Warum neue Chefs alles anders machen als ihr Vorgänger“ den Sachverhalt genauer unter die Lupe genommen hat. Seine Studie belegt solche Irrtümer und das sich mit dem Chefwechsel auch mit höherer Wahrscheinlichkeit die Strategie des Unternehmens ändert – trotz aller Ähnlichkeiten des neuen und alten Direktors.

Mein Fazit: Der Kunde soll gerne an der guten alten Zeit festhalten, aber auch das Bewusstsein haben, dass eins sicher ist, es kommt definitiv anders als gedacht.

Vgl. https://www.wiwo.de/erfolg/management/gleicher-typ-neuer-stil-warum-neue-chefs-alles-anders-machen-als-ihr-vorgaenger/22815454.html

 

 

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