Intuition schlägt KI

Alex R.

Am Wochenende fuhren wir am Bodensee Richtung Lindau. Freunde fuhren in einem weiteren Auto vor uns. Vor Friedrichshafen im Stau zeigten uns gleichzeitig zwei moderne Navigationssysteme (inkl. Google) an, dass wir durch Staus erst mit 27 bzw. mit 34 min Verzögerung am Ziel ankommen würden. Angesichts der Karte entschied ich, eine alternative Route zu fahren. Ich bat also beide Systeme um Alternativrouten. Das Ergebnis einer Software versprach nur eine unwesentliche Zeitersparnis, bei der anderen verlängerte sich die Ankunftszeit noch. Ich entschied, auf meine eigene Intuition zu vertrauen. Auf Basis der Karte fuhr ich einen kleinen Kreis um den Stadtkern von Friedrichshafen, so dass ich mit 3 Mehrkilometern nach 2/3 der Wegstrecke der vorherigen Route wieder dort in den Stau einfädelte. Auch während meiner Umfahrung ignorierte ich mehrfach die neu errechneten Routenbefehle der Navigationssysteme und siehe da, wir gewannen 19 Minuten auf das erste System, so dass wir nur insgesamt 8 Minuten verspätet am Ziel ankamen. Parallel hierzu vergrößerte sich die Verzögerung des ersten Wagens sogar noch auf 45 Minuten.

Die Erfahrung brachte mich auf ein modernes Thema, KI (für Künstliche Intelligenz oder auch AI für artificial intelligence). Bereits seit vielen Jahren behandeln wir das Thema in unseren regelmäßigen Zukunftworkshops. Etwas ketzerisch will ich deshalb 3 Thesen zur Diskussion stellen:

  1. Intuition schlägt KI (noch sehr lange)
  2. Der Mensch wird dümmer (messbar)
  3. Evolution endet (menschliche)

Ich mutmaße also, dass die Entwicklung von KIs parallel zu der exponentiell steigenden Rechenleistung und großen Speichermöglichkeiten die Menschheit obsolet machen kann.

Während sich die Evolution fortentwickelt und sich die Tiere und Pflanzen zunehmend optimieren – zumindest die, die vom Menschen weitestgehend unerkannt oder für ihn uninteressant sind – bleibt der Mensch auf seinem Level stehen bzw. bildet sich zurück. Mit der zunehmenden Digitalisierung, Globalisierung, Automatisierung sowie den KIs der Zukunft wird auch die menschliche Kreativität verloren gehen. Bequemlichkeit und Dekadenz bergen ein hohes Risiko, die menschliche Evolution zu beenden. In nur 100 Jahren Erdgeschichte wird sich die erstaunlichste Rasse, der Mensch, selbst obsolet machen. Indem wir uns den Luxus leisteten, jeden Menschen mitzunehmen (durch Apparate und Geräte, Medikamente, Orthopädie, Elektronik) oder einfach nur zu Unterhalten (Social Media, Spiele, TV-Serien) verzögern wir zunehmend die natürliche Optimierung unserer Spezies. Diverse Studien belegen, dass wir Menschen dümmer werden – durch die zunehmende Digitalisierung, der Just-in-time Information, durch unkontrollierbare Reizüberflutung, Bequemlichkeit und Ablenkung. Die Allzweckwaffe Smartphone macht es uns leicht. Und als würde das nicht genügen, macht die Entwicklung von KI exponentielle Fortschritte.

KI, auch die von Navigationssoftware wird immer besser, deren Basisroutinen basieren jedoch auf den Routinen und Erfahrungswerten der Massen (Big Data). Die Software wird also kaum die Chance haben, Intuition und Kreativität zu schlagen, jedenfalls lange nicht. Irgendwann, in einer vollvernetzten Welt, wird eine KI vielleicht auch Kreativität entwickeln und intuitiv feststellen, dass auch massenhaft durch Menschen generierte Daten falsch sein können und wir, die Menschen, eigentlich nicht mehr gebraucht werden. Dann Gnade uns Gott 🙂 Bis dahin, lassen Sie bitte Ihrer Kreativität freien Lauf.

Wer noch nicht genug von KI hat, dem empfehle ich das Buch “Die Touring Abweichung“ von William Hertling.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.