Sinkende Amtszeit der DAX-Vorstände

Alex R.

Die Amtsdauer der Vorstände in DAX Unternehmen ist im vergangenen Jahrzehnt dramatisch gesunken. Sie beträgt in Deutschland durchschnittlich nur noch 6,7 Jahre nach einer aktuellen Studie der Strategieberatung Booz & Company.

Dies entspräche einer Wechselquote von 21 Prozent. Die überdurchschnittliche Zunahme der sehr kurzen Amtszeiten von unter 2 Jahren zeigt, dass der Druck auf die Aufsichtsräte erheblich zugenommen hat. Das kritische Gesellschafts- und Medieninteresse führte dazu, dass diese mehr Augenmerk auf die persönliche Integrität und eine ethisch und moralisch einwandfreie Vita legen. Der öffentliche Druck hat dazu geführt, dass moralisches Verhalten – gegenüber der Gesellschaft und den Mitarbeitern – wieder honoriert wird. Zu groß das Risiko gerade in den Top-Führungsebenen der DAX-Unternehmen, dass durch arrogantes Verhalten, persönliche Bereicherung und übertriebene Ellenbogenmentalität dem Image des Unternehmens nachhaltig Schaden entsteht.

Wie die HSH+S Management und Personalberatung zunehmend häufig feststellt, legen die Aufsichtsratsvorsitzenden ebenso wie die Vorstandsvorsitzenden immer größeren Wert auf konservative Lebensläufe. Deutliche Vorteile haben Manager, die nachweisliche Erfolge auch in einer langen Zugehörigkeit erzielen konnten. Die wieder gesuchte hohe Loyalität wiederum führt dazu, dass das lange Zeit eigene und großteils abgeschottete Reich der DAX Unternehmen heute offener gegenüber Top-Managern aus Geschäftsleitungsfunktionen des Mittelstands ist.

Nachdem bis 2008 vornehmlich durchsetzungsstarke Sanierer als CEOs der Dax-Unternehmen gesucht waren, sind seit einigen Jahren zwei neue Manager-Typen besonders gefragt. Zum einen suchen die Aufsichtsräte charismatische Strategen und Visionäre mit hoher Führungsqualität, zum anderen vertriebsorientierte und überzeugende Macher. Im Charakter der Top-Manager sollen wieder deutlicher Charaktereigenschaften wie Ehrlichkeit, Fairness und Zuverlässigkeit verankert sein. Verbunden ist damit einerseits der Wunsch, die Unternehmen mittel- und langfristig auf ein stabileres Fundament zu stellen, andererseits in der erwarteten Aufschwungphase dem Wettbewerb international Marktanteile abzunehmen.

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